WERTE

Weisheit, Stärke und Schönheit.

I / WEISHEIT

Verstehen, bevor wir urteilen.

Weisheit beginnt mit der Bereitschaft zu lernen. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und das Bewusstsein für die Grenzen des eigenen Wissens.

Den Gedanken eines anderen zuzuhören, eine aufrichtige Frage zu stellen und eine gut begründete Korrektur anzunehmen, sind Teile derselben Arbeit: der schrittweisen Entwicklung des Urteilsvermögens.

II / STÄRKE

Im Guten beharren.

Stärke zeigt sich in der Fähigkeit, das eigene Handeln zu lenken. Wir brauchen sie, um Wort zu halten, Verantwortung zu übernehmen und auch dann standhaft zu bleiben, wenn es Mühe kostet.

Die Arbeit am Charakter schließt die Auseinandersetzung mit der eigenen Eitelkeit, Unbeherrschtheit und den eigenen Vorurteilen ein. Diese Arbeit verlangt Ausdauer und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.

III / SCHÖNHEIT

Harmonie schaffen.

Schönheit entsteht dort, wo Wissen und Handeln ihr rechtes Maß finden. Sie zeigt sich im sorgsam gesprochenen Wort, in einer gut verrichteten Arbeit und in einer Beziehung, die die Würde des anderen achtet.

In der gemeinsamen Arbeit spiegelt sie sich in der Harmonie des Ganzen wider, zu der jeder Einzelne durch Aufmerksamkeit und Verantwortung beiträgt.

Brüderlichkeit — Aufmerksamkeit, die zur Tat wird

Brüderlichkeit wird durch Vertrauen, Rücksicht und Hilfsbereitschaft gepflegt. Sie lässt Raum für unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen und verpflichtet zugleich zu gegenseitigem Respekt.

Brüderliche Verbundenheit bringt auch Verantwortung mit sich: aufrichtig zu sein, Anvertrautes zu bewahren und den anderen zu selbstständigem Urteilen zu ermutigen.

Eine zeitlose Erinnerung an wahre Werte

Der freimaurerische Dekalog

Die zehn Gebote der Freimaurerei

Albert Pike führt den freimaurerischen Dekalog in Morals and Dogma (1871) im Kapitel über den Lehrlingsgrad auf. In der Tradition des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus bieten diese Lehren einen ethischen Wegweiser für die Arbeit an sich selbst und den Umgang mit anderen.

  1. Gott ist die ewige, allmächtige, unveränderliche Weisheit, die höchste Intelligenz und die unerschöpfliche Liebe. Bete Ihn an, ehre und liebe Ihn! Erweise Ihm Ehre, indem du die Tugenden übst, die Er lehrt.

  2. Dein Glaube sei, Gutes aus innerer Freude zu tun und nicht nur, weil du es als Pflicht betrachtest. Um zum Freund des Weisen zu werden, folge seinen Lehren! Die Seele ist unsterblich! Tue nichts, was sie erniedrigen könnte.

  3. Kämpfe unablässig gegen das Laster! Tue anderen nicht an, was du selbst nicht erleiden möchtest! Nimm dein Schicksal an und halte das Licht der Weisheit am Brennen.

  4. Ehre deine Eltern! Erweise den Alten die gebührende Achtung und Ehre! Unterweise die Jungen! Schütze und verteidige Kindheit und Unschuld.

  5. Liebe und umsorge deine Frau und deine Kinder! Liebe dein Land und achte seine Gesetze.

  6. Dein Freund sei deine andere Hälfte! Lass dich durch Unglück nicht von ihm trennen! Tue für sein Andenken alles, was du zu seinen Lebzeiten für ihn getan hättest.

  7. Meide unaufrichtige Freundschaften und fliehe sie! Halte in allem Maß! Hüte dich davor, dein eigenes Andenken zu beflecken.

  8. Lass dich nicht von Leidenschaften beherrschen! Lerne aus den Fehlern, die andere aus Leidenschaft begangen haben. Sei nachsichtig gegenüber den Irrtümern anderer.

  9. Höre viel zu, sprich wenig, tue Gutes! Vergiss die Kränkungen, die dir zugefügt wurden! Vergilt Böses mit Gutem! Missbrauche weder deine Stärke noch deine Überlegenheit.

  10. Bemühe dich, die Menschen zu erkennen, um dadurch dich selbst zu erkennen! Suche stets die Tugend! Sei gerecht! Meide den Müßiggang.

Das große Gebot der Freimaurerei

Liebt einander! Wer sagt, er sei im Licht, seinen Bruder aber hasst, bleibt in der Finsternis.

Quelle: Albert Pike, Morals and Dogma (1871), I — Lehrling. Übersetzung der für diese Website gewählten serbischen Fassung.

DIE SPRACHE DER SYMBOLE

Werkzeuge des Bauens.
Anregungen zum Nachdenken.

Die Freimaurerei verwendet Werkzeuge und Bilder der Baukunst als Mittel moralischer und philosophischer Betrachtung. Mit neuen Erfahrungen kehren wir zu einem Symbol zurück und entdecken Fragen, die wir zuvor noch nicht zu stellen vermochten.

Seine Bedeutung hängt auch vom rituellen Zusammenhang ab. Hier werden allgemeine Deutungen vorgestellt, die als Einführung in diese Sprache dienen.

Das Winkelmaß — die Rechtmäßigkeit des Handelns

Das Winkelmaß erinnert uns daran, das eigene Handeln am Maßstab der Rechtschaffenheit zu prüfen.

Es stellt eine einfache, anspruchsvolle Frage: Stehen unsere Handlungen im Einklang mit den Grundsätzen, die wir vertreten? Die Antwort liegt in den täglichen Entscheidungen, besonders dann, wenn uns niemand beobachtet.

Der Zirkel — Maß und Selbstbeherrschung

Der Zirkel verweist auf Maß, Grenzen und die Fähigkeit zur Selbstführung.

Seine Symbolik fordert uns auf, den Augenblick zu erkennen, in dem ein persönlicher Wunsch zur Maßlosigkeit wird und die eigene Freiheit in die Freiheit eines anderen eingreift.

Der raue Stein — der Beginn der Arbeit an sich selbst

Der raue Stein steht für die Möglichkeit der Gestaltung. In ihm lässt sich der Mensch mit seinen Fähigkeiten, Gewohnheiten und Unzulänglichkeiten erkennen.

Die Bearbeitung des Steins verlangt Geduld. Ebenso vollzieht sich die Veränderung des Charakters allmählich: durch Lernen, Übung, Fehler und die Bereitschaft, es erneut zu versuchen.

Das musivische Pflaster — der Weg durch die Gegensätze

Die hellen und dunklen Felder können als Erinnerung an die Gegensätze verstanden werden, die das menschliche Erleben begleiten: Freude und Trauer, Gewissheit und Zweifel, Erfolg und Prüfung.

Der Weg über einen solchen Boden lädt zum Gleichgewicht ein. Der Mensch bemüht sich, in den unterschiedlichen Lebensumständen Maß und Würde zu bewahren.

Der Arbeitsteppich — ein Bild zur aufmerksamen Betrachtung

Der Arbeitsteppich vereint Symbole zu einem Ganzen und lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Beziehungen. Sein Inhalt und seine Gestaltung hängen vom Ritus und dem Grad der Arbeit ab.

Vor ihm hält man inne, betrachtet und denkt nach. Ein einzelnes Zeichen gewinnt an Tiefe, wenn sein Platz im Gesamtbild verstanden wird.

Sonne und Mond — Rhythmus und Gleichgewicht

Sonne und Mond gehören zur traditionellen Symbolsprache der Freimaurerei. Ihre Deutungen unterscheiden sich je nach Ritus.

Als Paar können sie zum Nachdenken über Rhythmus, Wechsel und Gleichgewicht anregen — über die Zeit des Handelns und die Zeit des Innehaltens, in der wir verstehen wollen, was wir getan haben.

Die Setzwaage — Gleichheit und Gleichgewicht

Die traditionelle Setzwaage mit dreieckigem Rahmen und hängendem Lot dient der Prüfung der Waagerechten. Symbolisch erinnert sie an die Gleichheit der menschlichen Würde und daran, anderen ohne Überheblichkeit zu begegnen.

Gleichheit hebt Unterschiede in Erfahrung und Verantwortung nicht auf. Sie fordert uns auf, den Menschen unabhängig von seiner Stellung, seinem Vermögen oder seinem Amt zu achten und unser eigenes Urteil im Gleichgewicht zu halten.

Das Senkblei — Aufrichtigkeit und Gewissen

Das Senkblei, ein an einer Schnur hängendes Gewicht, zeigt die Senkrechte an. In der freimaurerischen Symbolik lässt es sich als Aufforderung zu moralischer Geradlinigkeit, Beständigkeit und einem aufrichtigen Verhältnis zum eigenen Gewissen verstehen.

Seine ruhige Linie erinnert uns daran, die Rechtschaffenheit unseres Handelns auch dann zu prüfen, wenn es leichter wäre, fremden Erwartungen zu folgen. Aufrecht zu stehen bedeutet, Verantwortung für das eigene Wort und die eigene Tat zu übernehmen.

TEMPEL UND LICHT

Ein Licht, das
zur Wachsamkeit ruft.

Die Flamme einer Kerze sammelt die Aufmerksamkeit. In ihrer Nähe wird der Raum still, Bewegungen und Worte werden bedächtiger.

In der freimaurerischen Symbolsprache wird Licht häufig mit Wissen, Verständnis und innerem Erwachen verbunden. Das Streben nach Licht setzt die Bereitschaft voraus, die eigenen Urteile zu hinterfragen und auch dann weiterzulernen, wenn wir überzeugt sind, bereits zu wissen.

Der Tempel gibt dieser Arbeit Raum und Ordnung. Seine Säulen, sein Boden, seine Werkzeuge und Lichter bilden ein Ganzes, in dem jedes Detail die Aufmerksamkeit auf den Sinn der Arbeit lenkt.

Der innere Bau setzt sich auch nach dem Verlassen des Tempels fort. Was wir verstanden haben, bewährt sich im Leben: im Umgang mit Familie, Freunden, Mitarbeitenden und Menschen, deren Überzeugungen sich von unseren unterscheiden.

Das Licht, das wir suchen, verpflichtet uns zu achtsamerem Handeln.